KISS and Tell – MuSen unterwegs

Bereits im September registrierten wir das Sprechtraining bei der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen (KISS) der Landeshauptstadt Dresden, damit uns Menschen mit Sprechängsten einfacher finden können. Seit Dezember unterstützen wir den Stammtisch „Junge Selbsthilfe“. Denn besonders jungen Menschen fällt es manchmal schwer, Zugang zu Selbsthilfegruppen zu finden.

Am Donnerstag zeigten wir Mut und trugen unser Wissen nach Außen: Studenten der Sozialpädagogik der TU Dresden besuchten im Rahmen des Seminars „Ressourcen und Empowerment“ die KISS – und wir erzählten gemeinsam mit anderen Gruppenleitern vom Alltag in einer Selbsthilfegruppe.

Die erste Überraschung (?): Fast alle Studenten hatten noch keine Erfahrung mit Selbsthilfegruppen. Das Klischee des „Stuhlkreises“, das in Film und Fernsehen vermittelt wird, ist stark präsent. Für manche ist auch das Gespräch mit Freunden eine Art sich selbst zu helfen. Allerdings möchte man nicht immer Freunde und Familie mit dem gleichen Problem nerven. Daher kann eine Selbsthilfegruppe eine Möglichkeit sein.

Der Film „Vielen Dank für das Gespräch“ veranschaulicht gut, wie Ängste nach einer Diagnose wachsen und die Selbsthilfegruppe helfen kann, mit diesen umzugehen.

Außerdem erklärte die Präsentation, welche Funktion Selbsthilfegruppen erfüllen können. Oft gibt es nicht nur Gruppen für Betroffene, sondern auch für deren Angehörige. Als Vertretung der Patienten kann eine Selbsthilfegruppe manche Vorgänge beschleunigen.

Später stellten sich der „Gesprächskreis Hirntumor“ und die „Kaiserschnittmamis“ vor. Bedrückend war vor allem, dass die Schule vermittelt, der Kaiserschnitt sei normal und gut für Promis. Aber er kann Mütter, besonders wenn er nicht geplant ist, traumatisieren und sogar die Bindung zum Kind stören.

Interessant war zu erfahren, wie unterschiedlich Gruppen arbeiten: Manche vereinbaren Gesprächstermine mit neuen Mitgliedern, anderen sind komplett offen. Manche ähneln Gesprächsrunden, andere malen. Wichtig ist, dass basisdemokratisch entschieden wird und die Gruppendynamik gewährleistet wird.

Die KISS wirkt dabei u.a. als Vermittler. Sie verweist Interessenten an passenden Gruppen oder andere Stellen und unterstützt bei Gruppengründung. Wenn Konflikte nicht innerhalb der Gruppe geklärt werden können, kann die KISS auch als Mediator wirken.

Die Studenten waren sehr interessiert und stellten u.a. Fragen zur Finanzierung, zum Aufbau der Selbsthilfenetzwerke und wie Selbsthilfegruppen z.B. von Therapiegruppen abgegrenzt werden.

Es war ein lehrreicher Vormittag für die Studenten und für uns!

Weitere Links

Was ist eine Selbsthilfegruppe? Diese Frage beantwortet die NAKOS (Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen) auf ihrer Website.

Junge Menschen mit seelischen Problemen war eine der Gruppen, die sich vorgestellt haben.

Flow ist ein Projekt der Stotterer-Selbsthilfe, das sich speziell an junge Menschen richtet.

Mehr als Stuhlkreis ist die Kampagne der Jungen Selbsthilfe. Mit sehr treffenden Postkartenmotiven 🙂

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